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Aus der Welt der Disteln  
   
   
von Christian Kreß  
   
Disteln bezeichnen etliche krautige ein- oder zweijährige und ausdauernde Pflanzen, welche durch Bedornung ihr typisches, bizarres Äußeres erhalten. Hierzu zählen dornige Vertreter der Familie der Asterngewächse (Asteraceae), andere gehören zu den Doldenblütlern (Apiaceae) oder ganz eigenen Familien. Ihr stacheliges Äußeres dient meist nur einem Zweck, nämlich dem Schutz vor Tierfraß. ­ An dieser Stelle noch ein kurzer Hinweis: Botaniker werden vermutlich aufstöhnen, aber im folgenden halte ich mich an den landläufigen Sprachgebrauch, der Disteln Stacheln nachsagt.

Zeitgemäße Staudenverwendung bedeutet unter anderem auch, züchterisch unverfälschte Arten oder Auslesen mit sehr auffälligen Beetstauden zu verknüpfen. Hierzu könnte der findige Pflanzenverwender neben unzähligen zarten Gräsern, weißen und rosa Dolden- und duftigen Lippenblütlern auch tatsächlich vermehrt Stauden aus dem Reich der Disteln hinzuziehen. Nicht wenige Disteln und Distelartige sind nämlich im Laufe der Zeit längst begehrte Zierpflanzen unserer Gärten geworden, aber gezielt werden sie leider nur selten verwendet. Leider sind einige ältere Auslesen inzwischen fast verschollen, andere werden von Liebhabern wegen ihres exotischen Aussehens sehr geschätzt. Auf manchen Arten liegt hingegen fast schon ein Fluch und sie werden regelrecht verbannt, weil sie sich unkrautartig aussäen. Viele Distelsamen werden durch den Wind oder von Vögeln verbreitet.

Die derzeit begehrteste Distel im Staudensortiment dürfte die Bachkratzdistel Cirsium rivulare ‘Atropurpureum’ sein. Dabei kratzt und sticht sie eigentlich kaum. Dank ihrer wunderschönen rubinroten Blüten, die ab Mai über einen langen Zeitraum erscheinen, ist sie zu einem begehrten Klassiker im Staudenbeet geworden. Ihrer Bekanntheit in Mitteleuropa ging die Verbreitung durch Bilder aus Großbritannien voraus, wo diese Rubinrote Kratzdistel in einigen Gärten und Parks bestandsbildend gepflanzt wurde. Sie schätzt einen nährstoffreichen, eher frischen, speckigen Lehmboden in einem kühlen Umfeld. Erst dann blüht sie reich, oft über Monate, da sie keine fruchtbaren Samen ausbildet. Kaum blühen die ersten, obersten Blüten ab und wurden abgeschnitten, erscheinen neue Knospen in den Seitenachseln. Die leuchtend rubinrote Farbe der länglichen Distelblüten tritt besonders dann auf, wenn die Nächte kühler sind oder eine kühlere Wetterphase eintritt.

Wenn nur ihre Vermehrung nicht so aufwendig und mühsam wäre. Andere Disteln ...

 
(weitere Gattungen und Arten in GRÜNER ANZEIGER 3/2011)
 
   
   
Christian Kreß, weitgereister Inhaber der Gärtnerei ‘Sarastro’ im österreichischen Ort/Innkreis und Autor zahlreicher Beiträge in verschiedenen Fachpublikationen, hat ein Auge für neue und ungewöhnliche Beetstauden. Dabei ist ihm nicht allein deren Aufnahme ins Sortiment wichtig, sondern vor allem ihre Verwendung in den Gärten.