oekom Verlag,
München 2010;
320 S., geb.,
117 Abb. u. Pläne,
17 x 24 cm;
29,90 EUR
ISBN 978-3-86581-158-5
 
 
Hrsg.: Brita Reimers
Gärten und Politik
Vom Kultivieren der Erde
 
Der vorliegende Band dokumentiert die gleichnamige dreijährige Vortragsreihe der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg. Die Nennung von Gärten und Politik in einem Atemzug ist nur heute ungewohnt - recht eigentlich gehören sie nämlich untrennbar zusammen, worauf der Untertitel auch verweist. Leitet sich doch der Begriff Kultur aus dem lateinischen “cultura“ her, was immer in zweifachem Sinn die Feld- und Bodenbewirtschaftung einerseits sowie andererseits die Pflege der geistigen Güter bezeichnete. Diese Einheit bringt der französische Gartenarchitekt Gilles Clément sehr prägnant auf die Formel: “Der Garten ist ein umschlossener Ort, dazu bestimmt, das Beste zu schützen: Pflanzen, Ideen und den Boden, worin beide wurzeln.“ In der Tat geht es um das Beste - und “ums Ganze“, denn wenn vom Kultivieren der Erde gesprochen wird, ist zunächst der Boden unter unseren Füßen gemeint; die Erde als ganzer Planet ist dabei aber stets mitzudenken. Das Spektrum der Beiträge ist entsprechend weit und umfassend. Dabei wird durch die Auswahl der Autoren bzw. der damaligen Referenten der Zusammenhang gewahrt. Ein Beispiel: Anhand eines auf die Gartenkunst sehr einflußreichen Renaissance-Buches entwirft ein Philosoph in seinem Beitrag ein Panorama italienischer Gärten jener Epoche. Der Ball wird sodann gekonnt durch einen Botaniker aufgenommen, indem er über barocke Gestaltungsprinzipien referiert und er dann den Blick auf die Baumverwendung in heutigen Gewerbegebieten lenkt. Ob es sich um Bodenkunde, Tomaten, die durch Migration bewirkten Veränderungen der Gartenkultur oder künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Thema Garten handelt, um Landschaft oder das Kleingartenwesen - stets bleibt in diesem facettenreichen Kaleidoskop der Bezug zum Politischen erkennbar. Schließlich geht es bei der Beschäftigung mit Gärten und Politik um nichts weniger als unser Verhältnis zur Natur und zugleich um das zu uns selbst. Ein prachtvolles Buch, das dazu beitragen kann, dem Garten wieder seinen angestammten Platz im Bewußtsein der Öffentlichkeit zu sichern - hochaktuell, hochspannend, hoch lesenswert.
Kai Haberland